Austrian Top Meeting Andorf

„Das hier wird ein absoluter Leichtathletik-Leckerbissen, das Stadion wird heute noch beben“, waren sich die Moderatoren bei der Eröffnung des Int. Josko Laufmeetings in Andorf einig. Sie wurden ebenso wie das zahlreich erschienene Publikum nicht enttäuscht.

Im Mittelpunkt stand Ramil Guliyev, der amtierende 200-Meter-Weltmeister. Er kam nicht nur als Weltklasse-Athlet nach Andorf und ließ sich als solcher feiern, er zeigte auch Weltklasse-Leistungen und lieferte dem Publikum eine richtig gute Show. Zuerst stand der 100-Meter-Bewerb am Programm, bei dem der Sprinter aus der Türkei den bestehenden Stadionrekord pulverisierte und mit einer Siegerzeit von 10,15 Sekunden (bei leichtem Gegenwind von 0,7 mm/s) seinen Gegnern lediglich eine Statistenrolle überließ. Den Höhepunkt bildete jedoch der 200-Meter-Sprint, der in 20,18 Sekunden (Gegenwind 0,5 m/s) ebenso an Guliyev ging – Stadionrekord inklusive, selbstverständlich. Vor dem Startschuss war es im Stadion mucksmäuschenstill geworden, auch die Zuschauer auf den Sitzplätzen waren aufgestanden, um gebannt zum 200-Meter-Start zu starren. „Es war etwas windig, bei besserem Wind wäre heute auch eine 19er Zeit möglich gewesen“, meinte der Star beinahe entschuldigend zum Publikum. Die Kulisse an Zuschauern beeindruckte Guliyev sehr. „Danke an alle, die gekommen sind. Wir machen das für Leute wie euch, wenn ihr glücklich sind, dann sind wir Sportler das auch“, so der Spitzenathlet.

 

Starkregen nach starker Weißhaidinger-Leistung

Der aufkommende Wind kündigte ein Gewitter an, das dem letzten Bewerb des Tages dann im Nacken stand: Die Diskuswerferinnen und Diskuswerfer, allen voran Lokalmatador Lukas Weißhaidinger. Er hatte beim Int. Josko Laufmeeting in Andorf EM-Rahmenbedingungen simuliert, indem er sich bei sich zu Hause aufwärmte, zwei Stunden vor Wettkampfbeginn in das Stadion chauffieren ließ und dann in einem Raum abwartete, um damit die Situation im sogenannten „Call-Room“ nachzustellen. Dann zwei Mal einwerfen und los ging es mit dem Bewerb, in dem der Innviertler es bis zuletzt spannend machte. Seine Siegerweite von 65,57 Meter erreichte er im letzten Versuch. „Das war heute eine besondere Situation, so etwas erlebt man nicht jeden Tag. Ich bin nicht gut in den Wettkampf gekommen und war dann etwas ratlos. Die Bedingungen waren durch den Wind und den etwas in die Jahre gekommenen Diskusring etwas schwierig. Ich konnte den Diskus in den ersten Versuchen nicht gut in die Luft legen, aber darauf haben wir dann reagiert“, so Weißhaidinger. „Ich habe den Wettkampf aber sehr genossen, es waren so viele Bekannte hier. Als Luki repräsentiere ich ja doch das Innviertel, da musste ich einfach was zusammenbringen“, schmunzelte der Innviertler, der immer wieder beteuerte, dass ihm seine Fans Kraft geben. Letztlich war auch das Timing perfekt: Etwa fünf Minuten nach Ende des Diskusbewerbs und damit auch der Veranstaltung prasselte ein Starkregen auf Andorf hernieder.

Chad Wright aus Jamaika holte sich mit 63,72 m Rang zwei, Christian Zimmermann aus Deutschland mit 56,72 Metern Rang drei.  

Standing Ovations für Beinahe-Limit

Einen starken Auftritt bot Susanne Walli von der Zehnkampfunion: Mit „Susi, Susi“-Sprechchören begleitete sie das gesamte Publikum über die Stadionrunde, auf der die Linzerin noch in letzter Minute auf den EM-Zug aufspringen wollte. Das Limit lag bei 53,40 Sekunden. Die Konkurrenz war stark, das Wetter passte, die Stimmung explodierte nahezu. Am Ende lagen aller Augen nicht auf der Siegerin Yanique Haye-Smith aus Jamaika, die in 52,44 Sekunden den Andorfer Stadionrekord pulverisierte. Alle hielten die Luft an, dann gab es die Zeit von Walli zu hören: 53,44 Sekunden, hauchdünn vorbei an Berlin. „Eine neue persönliche Bestzeit, das ist super. Aber es ist bitter, dass ich so knapp am Limit vorbei bin. Ich muss aber zufrieden sein, schließlich bin ich noch nie so schnell gelaufen wie heute“, so die drittplatzierte Walli im Ziel. Rang zwei holte sich Alexandra Bezekova aus der Slowakei (52,52 Sekunden).

Bei den Männern wollte Dominik Hufnagl (SVS Leichtathletik) seine Chance auf ein EM-Ticket nutzen. Er gewann zwar den 400-Meter-Bewerb, blieb in 47,45 Sekunden jedoch über dem Limit. Ebenso wie die Steirerin Djeneba Touré, die im Diskusbewerb der Männer antreten durfte, mit 49,20 Meter jedoch am Limit scheiterte.

400 Meter und 200 Meter an Jamaika

Den Sieg über 100 Meter der Frauen holte sich erwartungsgemäß die aktuell schnellste Österreicherin, Alexandra Toth. „Leider habe ich es nicht geschafft, mehr allgemeine Spannung aufzubauen“, zeigte sich die Steirerin nicht ganz zufrieden mit ihrer Vorstellung. 400-Meter-Siegerin Haye-Smith kürte sich keine 60 Minuten später auch noch zur 200-Meter-Siegerin (23,59 Sekunden). Die Jamaikanerin gewann den Lauf vor Alexandra Toth, die in 24,32 Sekunden jedoch deutlich über dem erträumten EM-Limit von 23,50 Sekunden blieb. Markus Fuchs kam im 200-Meter-Lauf der Männer in 21,28 Sekunden hinter dem Weltmeister auf Rang zwei. „Ich war etwas müde heute, bin aber mit der Zeit zufrieden und denke, dass ich in einer tollen Form bin“, so Fuchs. Rang drei in dem Bewerb holte sich Dominik Distelberger (21,99 Sekunden).

Über Rang zwei im 100-Meter-Sprint hinter Ramil Gulyev freute sich der Österreicher Samuel Reindl, der im Vorlauf mit 10,66 Sekunden bereits den Steirischen Landesrekord verbessert hatte. Rang drei ging an den Slowenen Jan Zumer.

Rekord-Weite für Sarah Lagger

Im Speerwurf der Frauen überraschte Sarah Lagger, U20-Vize-Weltmeisterin im Siebenkampf. Sie verbesserte ihre persönliche Bestleistung in dieser Disziplin um zwei Meter auf 49,26 Meter. „Ich bin ohne Erwartungen hergekommen und dann dieser Rekord, ich bin sprachlos“, so Lagger, die sich zuletzt ein paar Tage Urlaub gemeinsam mit ihrer Familie gegönnt hatte.  Bei den Männern war es der Slowake Patrik Zenuch, der mit 70,20 Metern vor dem Italiener Norbert Bonvecchio (69,72 m) siegte. Dominik Distelberger, Österreichs 8000-Punkte-Mann im Zehnkampf und auch für Berlin qualifiziert, meldete sich mit 54,38 Metern von einer längeren Verletzungspause zurück. „Ich bin den Umständen entsprechend zufrieden, das waren meine ersten Würfe mit längerem Anlauf. Mit so eine Weite steige ich normalerweise in die Saison ein. Ich kann in Berlin sicher noch vier bis fünf Meter drauflegen, wenn ich noch die Feinheiten korrigiere. Darauf liegt jetzt der Fokus“, so Distelberger nach dem Wettkampf.

Die 1000- und 3000-Meter-Läufe gingen wie gewohnt in Mixed-Bewerben über die Bühne. Sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen kam über 1000 Meter der Sieger vom Veranstalterverein Sportunion IGLA long life: Paul Seyringer gewann in 2:27,40 Minuten, nur sieben Hundertstel vor Leon Kohn (SVS Leichtathletik).  „Die erste Runde war nicht sehr schnell, aber auf der Zielgeraden habe ich noch meine Sprintqualität ausspielen können. Ich habe heuer schon viele Wettkämpfe in den Beinen, aber noch den großen Höhepunkt vor mir. Deswegen stehen jetzt zwei Wochen Höhentrainingslager in St. Moritz an, und dann werde ich versuchen, meine Form bis Oktober zu halten“, so Seyringer, der im Oktober bei den Jugend-Olympischen Spielen in Argentinien über 800 Meter an den Start gehen wird. Die Frauen-Wertung ging an Vereinskollegin Anna Baumgartner, die in 2:50,54 Minuten mehr als drei Sekunden vor der Zweitplatzierten Julia Mayer (DSG Wien) blieb.

Mit Ronald Ngigi Kariuki hatte der 3000-Meter-Beweb einen kenianischen Sieger. Er siegte in 8:25,33 Minuten vor dem Deutschen Hans-Peter Innerhofer und dem Slowaken Peter Durec. Die Slowakin Alexandra Zavadska siegte bei den Frauen (10:14,11 Minuten).

Beate Schrott im Vorlauf 13,20 Sekunden

Nach ihrer Top-Zeit von 13,20 Sekunden im Vorlauf verzichtete Beate Schrott wegen leichter Oberschenkelprobleme auf ein Antreten im Finale, das schließlich EM-Siebenkämpferin Verena Preiner in 13,52 Sekunden für sich entscheiden konnte. „Ich bin sehr zufrieden, das ist knapp an meiner Bestleistung. Technik und Spritzigkeit kommen jetzt noch. Ich bin optimistisch, dass ich in Berlin noch was drauflegen kann“, so Preiner. Karin Strametz blieb in 13,53 Sekunden knapp hinter ihr, das ersehnte EM-Limit blieb für sie aber außer Reichweite. Schrott war glücklich über ihre Vorlaufzeit. „Ich bin zuletzt alle Läufe zwischen 13,18 und 13,22 Sekunden geblieben, so schnell war ich seit 2015 nicht mehr. Die EM in Berlin werde ich auf alle Fälle noch genießen, denn es wird eine der letzten internationalen Meisterschaften für mich sein“, sagte Schrott.

     

     

    

Fotos. IGLA/ Mühlböck

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